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Linken-Politiker Gysi ermutigt Kirchen zur Einmischung

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Gregor Gysi
© Berthold Bronisz/pixelio.de

Aufgabe der Kirchen ist es nach Ansicht des Linken-Politikers Gregor Gysi, sich in Politik und Gesellschaft einzumischen. Vorwürfe, Predigten seien zu politisch gehalten, gingen »am Wesen dessen vorbei, was eine gute Predigt immer auch sein muss: das Christenwort zu den aktuellen Zeitläuften«, schreibt Gysi in einem Gastbeitrag in der »Zeit«-Beilage »Christ und Welt«. Ohne Bezug zur Realität verliere die Predigt ihre Kraft.

»Man stelle sich nur einmal kurz vor, diesen Vorwurf etwa gegen das Agieren der Kirchen im Staatssozialismus zu erheben, um zu bemerken, wie abstrus er im Kern eigentlich ist«, schreibt Gysi. Doch auch in Deutschland müssten die Kirchen Stellung beziehen. »Wir leben in einem ungerechten Land, in dem sich die soziale Spaltung weiter vertieft. Dazu kann eine Kirche nicht schweigen, wenn sie sich selbst ernst nimmt.«

Wer Gerechtigkeit will, darf nach Ansicht Gysis die Auseinandersetzung mit den Mächtigen nicht scheuen. »Sehr viele Menschen in den Kirchen leben und vermitteln Moral- und Wertvorstellungen wie die Achtung der Menschenwürde, Solidarität, Barmherzigkeit durch ihr tägliches Tun und machen dies im besten Sinne zum Gemeingut«, unterstrich Gysi. Sie dürften erwarten, dass ihr Engagement Widerhall und Unterstützung auch in den Predigten erfährt. Papst Franziskus etwa halte den Mächtigen immer wieder den Spiegel vor. »Das soll nicht angemessen sein? Es ist dringend erforderlich«, resümiert Gysi.

Zuletzt hatten Weihnachtspredigten eine Debatte darüber ausgelöst, wie politisch Predigten sein sollten. Geistliche, Politiker und Publizisten beteiligten sich an der Diskussion. Der 70-jährige Gysi ist konfessionslos und nach eigenem Bekunden nicht gläubig.

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6 Lesermeinungen zu Linken-Politiker Gysi ermutigt Kirchen zur Einmischung
Johannes schreibt:
27. März 2018, 18:25

"Aufgabe der Kirchen ist es nach Ansicht des Linken-Politikers Gregor Gysi, sich in Politik und Gesellschaft einzumischen. Vorwürfe, Predigten seien zu politisch gehalten, gingen »am Wesen dessen vorbei, was eine gute Predigt immer auch sein muss: das Christenwort zu den aktuellen Zeitläuften«, schreibt Gysi in einem Gastbeitrag in der »Zeit«-Beilage »Christ und Welt«. Ohne Bezug zur Realität verliere die Predigt ihre Kraft."

Nun bin ich gespannt, wie in den Predigten dieses Wochenendes zu den Ausweisungen russischer Diplomaten durch westliche Länder geredet wird. Eine Einzelstimme aus der SPD hat sich schon zu Wort gemeldet;

Der ehemalige EU-Kommissar Günter Verheugen hat das Vorgehen gegen Russland jetzt kritisiert.
"Generell sollten Sanktionen faktenbasiert sein und nicht auf Vermutungen aufbauen", sagte Verheugen der "Augsburger Allgemeinen". "Die Argumentation im Fall Skripal erinnert mich ein bisschen an eine Urteilsverkündung nach dem Motto 'Die Tat war dem Beschuldigten nicht nachzuweisen, aber es war ihm zuzutrauen'", kritisierte der SPD-Politiker.
Verheugen war von 1999 bis 2010 EU-Kommissar, zunächst für die Erweiterung der Europäischen Union, später für Industrie. "Die Haltung, dass Putin und die Russen im Zweifel für alles verantwortlich sind, ist eine Vergiftung des Denkens, die aufhören muss", sagte er.

J.L.

Beobachter schreibt:
28. März 2018, 9:28

Früher war an solchen "Wochenende" in den Predigten immer die große Versöhnungstat unseres Gottes Thema?

Johannes schreibt:
28. März 2018, 15:36

Lieber Herr Beobachter,
hätten Sie gut beobachtet, wüssten Sie, dass meine Predigt-Erwartung nicht die "Verkündigung der großen Versöhnungstat unseres Gottes" ersetzt, sondern (im Sinne des Artikels) z.B. Versöhnung buchstabiert werden könnte an Beispiel westeuropäischen Umgangs mit Russland. Könnten wir uns darauf verständigen?
Mit freundlichem Gruß
Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
29. März 2018, 9:38

Nein, denn 1. siehe oben!
Und 2. Wir wissen nicht wirklich wer und was da gespielt wurde. Deshalb sollten wir uns mit Urteilen, zumal in (Karfreitag-Osterpredigen) zurückhalten, Wie überhaupt, poltisch einseitige Positionierungen in Gottesdiensten nichts zu suchen haben! Wir sind da doch nicht auf einer (linken) Parteiversammlung!

Lore schreibt:
30. März 2018, 20:19

Ja, es wäre schön, wenn unsere Kirchen sich einmischen würden. leider mischen sie aber mit. Es gab in Deutschland bereits einmal eine Zeit, in der die Kirchen sich sehr systemkonform verhielten, es war leider nicht die beste Zeit. Die Kirchen sollen Rückhalt für die Menschen sein und ihnen Mut zusprechen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Doch da - leider Fehlanzeige. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom; zur Quelle kommt man entgegen dem Strom.

Beobachter schreibt:
31. März 2018, 15:31

Das genau ist das (System)problem!

Quelle
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