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Warme Worte erhitzen Klima

Schöpfung: Das Weltklima wird immer wärmer und die EKD will gegensteuern – doch Sachsens Landeskirche hat Wichtigeres zu tun.
Andreas Roth
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Wenn sich die Welt im Dezember im polnischen Katowice zur Rettung des ­Klimas trifft, werden sich auch deutsche Christen dahin auf den Weg machen. Der Ökumenische Pilgerweg für ­Klimagerechtigkeit wird Ende Oktober und Anfang November durch Sachsen führen – vorbei an Kohlegruben und -kraftwerken. »Schmerzpunkte« nennen sie die Organisatoren, zu denen das Leipziger Missionswerk gehört.

Um diese »Schmerzpunkte« zu finden, müssen sächsische Christen nicht einmal so weit laufen. Ein Blick auf ihre eigene Energierechnung oder die der Kirchgemeinde genügt. Wobei die sächsische Landeskirche nicht einmal einen Überblick hat über den Energieverbrauch all ihrer Gemeinden, Einrichtungen und ihrer Diakonie. Die ähnlich große Evangelische Kirche in Mitteldeutschland dagegen hat ihn vor zwei Jahren aufwändig errechnen lassen. 57 Millionen Kilowattstunden verbraucht sie pro Jahr – so viel wie 14 000 deutsche Vier-Personen-Haushalte.

Die Synode der EKD bat im Herbst letzten Jahres alle ihre Gliedkirchen und die Diakonie »bis zum Jahr 2020 eine Reduktion der CO2-Emissionen um insgesamt 40 Prozent anzustreben« sowie um »verbindliche Klimaschutzziele bis 2030«. Dafür sollten die Landeskirchen genug Geld und Konzepte für nachhaltige Gebäudedämmung, Mobilität und Beschaffung bereitstellen, so die EKD. Ihr Ziel: die »Klimaneutralität« der evangelischen Kirche in Deutschland bis 2050.

An der Spitze von Sachsens Landeskirche und ihrer Diakonie scheint man sich davon aber nicht angesprochen zu fühlen. Zwar verfasste die Synode immer wieder einmal Aufrufe und 2011 gab es ein Modell-Klimaschutzprojekt für 64 kirchliche Gebäude – aber über deren Wirkung ist nichts bekannt. Es gibt nicht einmal belastbare Zahlen über den Energieverbrauch der Landeskirche. »Das Thema Klimaschutz ist für uns als Landeskirche zwar wichtig, hat aber dennoch zur Zeit schon aus finanziellen Gründen nicht oberste Priorität und wird sie wohl auch nie bekommen«, antwortet der für Gebäude zuständige Oberlandeskirchenrat Jörg Teichmann. »Die Landeskirche drücken andere Probleme.«

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz indes hat mit Unterstützung von Ingenieuren und der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft ein Klimaschutzkonzept erarbeitet. Dafür befragte sie ausgewählte Mitarbeiter und Gemeinden und rechnete die Ergebnisse hoch. Über 85 000 Tonnen CO2 verursache die Kirche jährlich, lautet das Ergebnis – 82 Prozent davon durch Wärme und Strom für Gebäude, der Rest wird durch Dienstfahrten und Beschaffung verursacht. Bis zum Jahr 2030 soll der CO2-Ausstoß um 40 Prozent reduziert werden. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) geht beim Klimaschutz ungewöhnliche Wege. Im Kirchenkreis Egeln experimentiert sie mit fünf Elektro-Dienstwagen für Mitarbeiter auf dem Land. Sie baute mit einer kirchen­eigenen Firma sechs Windräder und bis zu zehn weitere sollen folgen, um ihren gesamten Stromverbrauch klimafreundlich zu erzeugen. Die EKM-Synode gewährte dafür ein Darlehen von 37,5 Millionen Euro.

In der sächsischen Landeskirche scheut man solches Risiko. Und auch den Aufwand der Erhebung von Energieverbrauch und CO2-Abdrücken – man hält sie auch für zu ungenau. »Aber wenn eine Kirchgemeinde 100 000 Euro Energiekosten im Jahr zahlt und versucht, sie zu reduzieren – dann spart sie sogar viel Geld dabei«, sagt Heiko Reinhold, der Umweltbeauftragte der Landeskirche. »Wir sollten mit unserem kirchlichen Handeln nicht die Zerstörung der Schöpfung betreiben.« Unter der leiden schon heute Menschen. Warme Worte allein machen das Klima nur noch wärmer.

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13 Lesermeinungen zu Warme Worte erhitzen Klima
Gert Flessing schreibt:
02. Mai 2018, 19:30

Lieber Herr Roth,
es ist das WELTklima, das sich erwärmt.
Wir sind, als Deutschland, ein winzig kleiner Teil dieser Welt.
Dennoch tun wir so, als könnten wir all das schultern, woran die Riesen des Energieverbrauches, wie USA, China und Indien, sich so gut, wie nicht beteiligen.
Ist das nicht, ein klein wenig, Aktionismus?
Wir bauen unsere Landschaft mit Windrädern zu.
Wir nageln auf jede mögliche freie Stelle Sonnenenergieparks.
Wir möchten die Kirchendächer mit Solarpaneelen bepflastern und die Pfarrhausdächer.
Was erreichen wir damit - im Maßstab der Welt?
Gert Flessing

Marcel Schneider schreibt:
03. Mai 2018, 8:36

Alles muss klein beginnen, 
lass etwas Zeit verrinnen. 
Es muss nur Kraft gewinnen, 
und endlich ist es groß...

L. Schuster schreibt:
03. Mai 2018, 15:09

Lieber Herr Flessing,
machen Sie Deutschland nicht kleiner als es ist.
Wie sind der Klimasünder Nummer 1 in Europa.
Was den Co2 Ausstoß insgesamt und pro Kopf betrifft.
9 Tonnen Co2 ist der Ausstoß pro Kopf in Deutschland, wo es es in Frankreich nur 5 pro Kopf sind. Auch England, Spanien, Schweiz und Schweden sind niedriger als wir. Und das obwohl dort selten von Energiesparen gesprochen wird, Dämmung ein Fremdwort ist und der Strom billiger ist.
Es ist durchaus an der Zeit etwas bei uns zu tun, doch das ist eher politisch.

Marcel Schneider schreibt:
02. Mai 2018, 20:53

Die Frage nach dem Lesen des Artikels ist für mich:
was machen die Herren und Damen der Synode und des LKA (Landeskirchenamtes), wenn sie diesen Artikel im SONNTAG am kommenden Wochenende am Frühstückstisch in gedruckter Form lesen?
Alles weiter so? Ablage P für Papierkorb? In Sachsen scheinen die Uhren etwas langsamer zu ticken. Es geht behäbig-konservativ zu. Unser neuer Bischof ist ein Leisetreter, finde ich (Fall Jens Ullrich, als Beispiel).
Die Arbeit der Redakteure des SONNTAG wird erst dann richtig gewürdigt, wenn durch diesen Artikel (oder auch die anderen) eine Diskussion ihre Fahrt aufnimmt, wenn sich also etwas ändert.
Und zweite Frage, an Herrn OLKR Teichmann: welche Probleme drücken die EVLKS außer der Mitgliederschwund?

Gert Flessing schreibt:
03. Mai 2018, 8:18

Lieber Herr Schneider,
ich weiß weder, ob Oberlandeskirchenräte den "Sonntag" am Frühstückstisch lesen, noch, ob sie irgend eine sinnvolle Idee haben.
Wir haben, als eine der Maßnahmen, die uns sinnvoll erschienen, unsere Heizungen im Pfarrhaus auf Brennwerttechnologie umgerüstet.
Über Solaranlagen haben wir nachgedacht, aber sie wären nicht effektiv genug.
Es muss auch wirklich sinnvoll sein, wenn man Ideen entwickelt.
Persönlich denke ich über die Frage nach, ob eine Heizung (und da wird ja die meiste Energie verbraucht) mittels Brennstoffzellen etwas bringen würde.
Gert Flessing

Manfred schreibt:
06. Mai 2018, 18:33

Wenn der wirklich gläubige Mensch seinen Glauben auch ernst nehmen will, dann MUSS er die Entwicklung auf der Erde auch als gottgegeben hinnehmen und nicht versuchen, diese vorgegebene Entwicklung zu ändern.
Alles geschieht durch Gottes Willen (oder nicht?).
Wenn die Menschheit in das Werk Gottes eingreifen wöllte, muss man zuerst darüber nachdenken, ob es bei Gott eine „Richtlinie“ gibt, welche die Weltbevölkerung nicht mehr anwachsen lässt.
Darin besteht aus Sicht eines wissenschaftlich orientierten Menschen, wie ich einer bin, eher der wirkliche Sinn.
Mehr Menschen auf dieser Welt, bedeuten auch immer mehr Ressourcen, die verbraucht werden.
Da können wir sparen, wie wir wollen, es wird nicht reichen!
Leider höre ich von der Kirche keine Aufrufe an die Politiker der Welt, gegen die Verschwendung konkret vorzugehen.
Die Müllberge werden einfach in die Entwicklungsländer verfrachtet, nichts ist von der Kirche zu hören.
Wir brauchen unbedingt zu untypischen Jahreszeiten exotische Früchte, auch da dieselbe Ruhe.
Ich könnte fast unendlich diesen Wahnsinn anprangern, aber die Mächtigen der Welt interessiert dies nicht wirklich.
Warum eigentlich nicht?

Gert Flessing schreibt:
07. Mai 2018, 11:22

Lieber Manfred,
die Weltbevölkerung hat sich früher immer wieder reduzieren können. Da gab es nicht nur Kriege, sondern auch Seuchen. Die medizinische Versorgung war nicht so, das alles "im Griff" war.
Vor allem in den ärmsten Ländern ist das Bevölkerungswachstum, dank der heutigen Medizin, erheblich angestiegen.
Es stimmt schon: Mehr Menschen gleich mehr Verbrauch.
Vielleicht ist es an der Zeit, kalte Worte zu finden.
Ja, ich weiß. Das ist nicht eben christlich.
Gert Flessing

Mnafred schreibt:
07. Mai 2018, 15:56

Lieber Gert Flessing.
Meine Frage war, ob es nicht auch im Sinne Gottes ist, dass Menschen sich eben NICHT ohne menschliche Kontrolle vermehren sollten.
Entweder die Menschheit lässt alles als Gottes Willen durchgehen oder sie nimmt die Geschicke selbst in die Hand.
Warum ist eine Verhütung gegen den Willen Gottes?
Warum trauen sich die Kirchenführer nicht, dieses Thema ganz oben auf die zu lösenden Themen zu setzen?
Der christliche Glaube wird doch nicht eingeengt, wenn man praktikabel an das sehr, sehr wichtige Thema herangeht.
Oder ist es christlicher die Menschen hungern zu lassen, weil eben die Erde eines Tages nicht mehr alle ernähren kann?
Lieber Gert Flessing, meine Fragen richten sich natürlich nicht konkret an SIE.
Einige höhere Kirchenvertreter lesen sicher auch hier.
Vielleicht ist dieses Thema auch für viele zu heikel, weil sie sonst ihre Karriere aufs das Spiel setzen würden.
Verstehen kann ICH es nicht!

Gert Flessing schreibt:
08. Mai 2018, 8:18

Ich weiß nicht, was daran heikel ist.
Ich bin schon lange dafür, das eine vernünftige Familienplanung propagiert wird. Eine unkontrollierte Vermehrung ist sicher nicht im Sinne Gottes.
Nicht umsonst haben wir von Gott Vernunft mitbekommen.
Nun frage ich mich oft genug, was Menschen daran hindert, offen darüber zu sprechen.
Auch die großen Kirchen könnten entsprechende Kampagnen starten.
Ich würde mich darüber freuen und für die Menschen, gerade in Afrika, wäre es eine Erleichterung.
Gert Flessing

L. Schuster schreibt:
08. Mai 2018, 10:10

Lieber Herr Flessing,
was soll denn dieser unchristliche Quatsch.
Die Wachstumskurve der Weltbevölkerung flach sich doch langsam ab, besonders in Ländern mit guter Bildung, Gleichberechtigung, wirtschaftlichen- technischen und medizinischen Fortschritt. Weshalb trotz längerer Lebenserwartung der Menschen die UN davon ausgeht, dass 2060 die Bevölkerungszahl ihren höchsten Wert erreicht und danach die Zahl sinken wird.

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