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Jamaika im Werte-Wirrwarr

Andreas Roth
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Am Ende werden sie über Werte reden müssen. Und abwägen müssen: ein Wert gegen den anderen. Am Ende werden sie harte Entscheidungen treffen müssen. Im Moment sieht es noch aus, als wären die schwarz-grün-gelben Sondierungen ein bunter Basar: alle bieten ganz viel gleich Wichtiges feil – und dann wird munter gehandelt. Das Publikum sieht erst interessiert, dann immer genervter zu. Eh alles gleich? Was für ein Irrtum.

Eine Entlastung von Steuerzahlern ist eben nicht das Gleiche wie eine Abschaltung von Kohlekraftwerken. Besseres Internet liegt ethisch eben nicht auf einer Ebene wie das millionenfache Leid von Mitgeschöpfen in Ställen und Schlachthöfen. Einmal ganz abgesehen von den moralischen Untiefen der Flüchtlingsbewegungen. Und mehr Rente für Mütter ist toll – aber in Bangladesch und im Südpazifik saufen die Häuser ganzer Familien ab. Und in Afrika Ernten.

Die Sondierer in Berlin drohen auch abzusaufen in einer schlecht verrührten Einheitsbrühe aus ganz unterschiedlichen Werten. Da müsste jemand einmal etwas sortieren und gewichten. Und neu kombinieren. Zum Beispiel: Arbeitsplätze sind wichtig, natürlich auch für Autowerker und Kohlekumpel samt Familien – aber könnte eine mutige und gut durchdachte Politik nicht die Definition von klaren Klimaschutz-Zielen, den Aufbau neuer Technologien und damit neuer Jobs verbinden? Viele Wissenschaftler bejahen das längst. Der größte Widerstand kommt von jenen, die Millionen und Milliarden damit verdienen, dass sich nichts ändert.

Wer Ordnung in das Werte-Wirrwarr bringen könnte? Da gibt es Spezialisten, die sich auskennen. Einige firmieren unter dem Namen Kirche. Man hört gerade nicht so viel von ihnen.

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6 Lesermeinungen zu Jamaika im Werte-Wirrwarr
Gert Flessing schreibt:
15. November 2017, 16:30

Lieber Herr Roth,
da trauen Sie aber der Kirche viel zu. Ordnung in den Werte- Wirrwarr bringen?
Eine Kirche, die nicht einmal in ihrem eigenen Werte-Wirrwarr irgend eine Linie hat?
Nein, mein Freund! Das wird nichts werden. Denn am Ende wissen wir doch, in welche Richtung das läuft.
Auch Sie vergleichen Äpfel mit Birnen.
Ohne schnelles Internet lässt sich vieles, was mit neuen Technologien zusammen hängt, nicht gestalten.
Mehr Rente für Mütter? Würde, bei weniger Rente für Mütter irgend eine Hütte in Bangladesch nicht absaufen?
Ihr Stil ist gut. Ja. Das könnten die Worte eine richtig tollen Agitators sein. Man spürt die Emotion.
Dennoch ist es fragwürdig. So fragwürdig, wie das Jamaika Geschacher. wobei gerade die Grünen, die am wenigsten Leute stellen, die größte Klappe haben und wohl an ihnen am ehesten diese Verhandlungen scheitern können.
Ich persönlich denke, das Neuwahlen die sauberste Lösung wären.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
15. November 2017, 22:10

Sehe ich Alles ähnlich!
Nur, Neuwahlen scheunen die (Noch)regierenden wie der Teufel das Weihwasser. Da könnten ja vielleicht; gerade nach dem aktuellen Geschacher und Weiterhetzen, die gaaanz bösen Rääächten noch stärker abschneiden. Der Wähler ist nämlich blöd!

Beobachter schreibt:
22. November 2017, 18:19

Sieht ja so aus, als ob es doch noch zu Neuwahlen kommt, auch wenn sie sich noch zieren und unser "Bundespräsident" ein "Weirmachen" ohne jeden Sinn bevorzugt. ERfrischend ist schon mal, wie die AfD den Bundestag aufmischt . Da kommt doch wieder Leben in die Bude, fast wie zu Wehnerts Zeiten! Schon dafür haben sich unsere Kreuzchen an der richtigen Stelle gelohnt. Gott segne unser Land!

realist schreibt:
15. November 2017, 22:16

Da die Kirche schon lange keine Werte mehr hat bzw. vertritt ist Ihre Schlussfolgerung sehr geehrter Herr Roth eher zweifelhaft. Und da die Landeskirche nicht einmal ihre eigenen Probleme lösen kann ist es sicherlich sehr unwahrscheinlich das die Kirche die politischen Probleme in Berlin lösen kann.

Britta schreibt:
22. November 2017, 16:16

Wichtung laut o.g. Artikel:
Entlastung deutscher Steuerzahler << Abschaltung von Kohlekraftwerken (was ist bei extrem kalten Wintern?)
Moralische Aspekte der Flüchtlingsbewegung >> Tiere in Schlachthöfen >> schnelles Internet (Zusammenhang?)
Mütterrente im eigenen Land << Hochwasser in Bangladesch/ in Afrika (Sahelzone?)
einheimische Arbeitsplätze << Klimaschutzziele
Kirche = Spezialisten dafür?!
Echt jetzt? Ich halte die Kirche für Spezialisten für die frohe Botschaft und nicht, um z.B. aus der Altersabsicherung von Landsleuten Hilfsprojekte für fremde Länder zu machen oder Familien ins Elend zu stürzen für eine umstrittene Klimapolitik. Aber wahrscheinlich firmieren diese Betroffenen nicht unter dem Nächsten, den man wie sich selbst lieben soll?!
Vorschlag für die Kirche:
Verkündigungsauftrag der frohen Botschaft >>>> humanitäre Aktionen >>> Energiewende

Gert Flessing schreibt:
23. November 2017, 9:36

Nun ist Jamaika tot. Das war zu erwarten. Es war wirklich ein Wirrwarr und das nicht nur bei Werten. Es war viel wirres Geschwätz.
Es ist gut, das es am Ende ist.
Es lohnt auch nicht, dabei nach Schuldigen zu suchen. Es gab einige und nicht zuletzt Herrn Trittin, der es nicht lassen konnte, nebenbei noch zu stänkern.
Als Kirche sollten wir, wie es Tradition ist, für die Weisheit der "Obrigkeit" beten und ansonsten den Menschen die Hoffnung, die über alles Gezänk hinaus reicht, geben. Gerade jetzt, wo wir an die Ewigkeit Gottes denken, gegen die aller Wirrwarr hier eine lächerliche Momentaufnahme ist.
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 46 | 19.11.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
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(Micha 2,1)

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(Markus 10,42-43)

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