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Wunderheilung

Die Universität Leipzig hat endlich wieder ihre Kirche – und Pfarrer Nikolaus Krause seinen Frieden
Uwe Naumann
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  • Universitätskirche St. Pauli in neuem Gewand: Beim Festgottesdienst zur Einweihung erstrahlten die hängenden Säulen. Von der Empore waren Orgel, Chor, Barockorchester und die Uni-Bigband zu hören. Foto: Jan Adler

    Universitätskirche St. Pauli in neuem Gewand: Beim Festgottesdienst zur Einweihung erstrahlten die hängenden Säulen. Von der Empore waren Orgel, Chor, Barockorchester und die Uni-Bigband zu hören. Foto: Jan Adler

  • Pfarrer Nikolaus Krause trägt an der Spitze der Einziehenden die Leuchter in die neue Universitätskirche. Foto: Jan Adler

    Pfarrer Nikolaus Krause trägt an der Spitze der Einziehenden die Leuchter in die neue Universitätskirche. Foto: Jan Adler

  • Zusammen mit Helga Hassenrück zündet Nikolaus Krause die Kerzen auf dem Altar an. Neben dem Altar steht der frühere Universitätsprediger Rüdiger Lux. Foto: Jan Adler

    Zusammen mit Helga Hassenrück zündet Nikolaus Krause die Kerzen auf dem Altar an. Neben dem Altar steht der frühere Universitätsprediger Rüdiger Lux. Foto: Jan Adler

Leise öffnet sich die große Flügeltür. Langsam und bedächtig lenkt Nikolaus Krause seine Schritte in den riesigen, mit fast 1000 Gästen gefüllten Raum. Vor ihm erstrahlt die Zukunft in einem Lichtermeer – eine Aula, die in wenigen Minuten auch offiziell eine Kirche sein wird. Hinter ihm liegen 50 Jahre des Wartens auf diesen Moment: »Seit dem Knast möchte ich hier einziehen, im Talar. Das ist für mich unendlich wichtig«, sagt der 72-Jährige. Der frühere Krankenhausseelsorger spricht von »Seelentränen«.

Von der Empore über ihm singt der Chor »Nun komm der Heiden Heiland«. Und Pfarrer Krause kommt – als Erster der Einziehenden. Sie tragen die sakralen Geräte herein: Taufschale, Taufkanne, Leuchter, Kruzifix. Und jeder trägt seine Leidensgeschichte mit diesem so besonderen und hart umstrittenen Ort. Vor der Tür wird zur gleichen Zeit gegen die kirchliche Nutzung dieses Raumes demonstriert.

Der Weg durch das Kirchenschiff ist weit, aber für Krause nicht neu. Denn die neue Universitätskirche St. Pauli bemisst sich an der im Jahr 1240 geweihten und 1968 auf Geheiß des SED-Regimes gesprengten Kirche. Krause war damals Theologiestudent, sang hier im Chor, wollte promovieren. Als der Pfarrerssohn von der geplanten Sprengung hörte, sammelte er Unterschriften für ein Gespräch mit dem Stadtarchitekten. Zum Gespräch kam es nie. Stattdessen »zum Untergang des christlichen Abendlandes«, wie Krause die Sprengung nennt.

Feierlich geht er nun vorbei an den hängenden und leuchtenden Säulen. Sie trugen nicht nur zur Verdopplung der Baukosten auf 117 Millionen Euro bei, sondern auch zu einem Bauverzug von acht Jahren. Sein Weg führt ihn auch vorbei an einer Säule, wo früher die barocke Kanzel stand. »Natürlich fehlt sie«, meint Nikolaus Krause, der einst im Predigtseminar selbst darauf gepredigt hatte. Zwar konnte sie vor der Sprengung gerettet werden, so wie der Altar, zahlreiche Grabplatten und der große Teil der beweglichen Kunstgegenstände. Aber um die Aufstellung der mittlerweile restaurierten Kanzel gibt es Streit: Sie sei zu groß und dominant, vertrage das neue Klima nicht, so Kritiker. Drum liegt die Kanzel im Depot der Uni-Kunstsammlung. Das Finanzministerium­ hat zur Lösung eine neue Kanzelkommission berufen.

Am Übergang zum Altarraum erlebt Nikolaus Krause dann eine Schikane:

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Und wenn Sie sich selbst einen Eindruck von der neuen Universitätskirche verschaffen wollen, ist das Gebäude zu folgenden Zeiten geöffnet:
Dienstag bis Freitag 11 bis 15 Uhr, Sonnabend 10 bis 14 Uhr. Geschlossen vom 25. Dezember 2017 bis 2. Januar 2018.
Gottesdienst: sonn- und feiertags 11 Uhr.
Vesper: während der Vorlesungszeit mittwochs 18 Uhr.

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