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DDR-Opposition hat zu wenig gegen Mauer protestiert

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Berliner Mauer Brandenburger Tor
© Albrecht E. Arnold/pixelio.de

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hätte sich zu DDR-Zeiten mehr Proteste gegen die Berliner Mauer innerhalb der DDR gewünscht. Eigentlich hätte jeden Tag »gegen dieses Monument der Menschenrechtsverletzung« demonstriert werden müssen, sagte Jahn der »Berliner Morgenpost«. Ihn erschrecke im Nachhinein, wie viele Intellektuelle die Mauer gut geredet hätten und »die Rechtfertigung funktioniert hat«. Eigentlich hätte die Mauer sogar im Zentrum des Protestes der DDR-Opposition stehen müssen, so Jahn.

Der ehemalige Bürgerrechtler bezeichnete die Berliner Mauer als in Beton gegossenes Unrecht, das jeden Tag sichtbar war. »Die Mauer war sozusagen ein besonders brutaler Ausdruck dieser Diktatur.«

Selbstkritisch fügte Jahn hinzu, er selbst habe es damals »nicht gewagt, einen offenen Protest auszudrücken«. Vielmehr habe er sich um seine eigenen »kleinen Problemchen« gekümmert: »Weil ich dachte, das ist schon ein Gewinn, wenn ich im Kleinen etwas verändern konnte.« Am Montag (5. Februar) ist die Berliner Mauer genauso lange weg, wie sie die Stadt zwischen 13. August 1961 und 9. November 1989 teilte, genau 28 Jahre, zwei Monate und 27 Tage.

Jahn bezeichnete die Berliner Mauer als »ein Instrument«, das dafür gesorgt habe, »dass in dieser Gesellschaft Angst geherrscht hat, dass Disziplinierung und Anpassung stattfanden«. Während die Menschen in der DDR bis 1961, »wenn sie nicht mehr weiterwussten«, einfach abhauen konnten, sei dies mit dem Mauerbau schlagartig zu Ende gewesen. »Und in den 80er-Jahren wurde die Durchlässigkeit der Mauer gesteuert - auch ein Disziplinierungsinstrument.« Den DDR-Bürgern sei klar gemacht worden, »wenn sie eine Besuchsreise zu ihrer Verwandtschaft haben wollen, dann mussten sie sich überwiegend konform verhalten«. Deshalb drücke »diese Mauer viel mehr aus, als nur zu verhindern, dass man von einer Seite der Stadt in die andere kommt. Die Mauer steht für das System einer Diktatur – mit all seinen Auswirkungen bis in den Alltag hinein«, sagte Jahn weiter.

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17 Lesermeinungen zu DDR-Opposition hat zu wenig gegen Mauer protestiert
Gert Flessing schreibt:
08. Februar 2018, 14:23

Ich kann der Mauer gewiss nichts positives abgewinnen. Aber der Gedanke, das man eigentlich ständig dagegen hätte protestieren müssen, der ist schon merkwürdig.
Hatten sich nicht unsere "Schwestern und Brüder" jenseits der Mauer auch damit abgefunden? War es nicht, neben einem Stück, gewiss unmoralischer, Normalität, auch, für "die drüben" eine Touristenattraktion geworden?
Für den Staat DDR war sie eine Notwendigkeit gewesen. Er hätte sonst irgendwann zu existieren aufgehört. Mangels Menschen.
So aber war das "Experiment" DDR ein eingehegter Raum geworden. Da hatte man schließlich genügend mit den "kleinen Problemchen" zu tun.
Nicht zu vergessen, das auch die Mauer ein Bauwerk von Russlands Gnaden war.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
08. Februar 2018, 19:26

"NIemand hat die Absicht,..."! Warum sollten wir da protestieren?

Britta schreibt:
09. Februar 2018, 10:26

Ich befürchte dejavus: Urgroßeltern haben zuwenig gegen den 1. WK protestiert, Großeltern haben zuwenig gegen die NationalSOZIALISTEN protestiert, Eltern haben zuwenig gegen die Sozialisten protestiert.... Wir protestieren zuwenig gegen die unübersehbare Islamisierung unserer Heimat - unsere Nachkommen werden uns dann auch wieder fragen, was wir denn getan hätten, wo doch alles so klar auf der Hand lag...
"Mander s'ischt Zeit"

Manfred schreibt:
10. Februar 2018, 17:41

Sin wir schon so vergesslich?
Ist die DDR-Vergangenheit schon so weit weg???
Mein Vater hatte als Ing. nur eine klitzekleine Kritik an den Arbeitsverhältnissen IM BETRIEB geäußert und schon hatte er es massiv mit der Staatsicherheit zu tun. Er wurde noch in der Nacht abgeholt! Wenn heute Menschen der Meinung sind, dass die Menschen den DDR-Staat zu wenig kritisiert hätten, haben diese keine Ahnung, über die "damaligen Verhältnisse oder er will es nicht mehr wissen. Nein, die meisten Menschen konnten nicht viel machen, außer sie setzen alles auf das Spiel. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Kirchenvertreter oder die Zentralkirche da viel heldenhafter gewesen wären. Es war ein ausgeklügeltes System der Staatsicherheit und des staatlichen Unrechts.
Wir sollten eher darauf achten, dass niemals wieder sich so ein System entwickeln kann und da habe ich große Probleme, was heute unter dem Datenschutz scheinbar schon wieder möglich zu sein scheint.

Beobachter schreibt:
11. Februar 2018, 8:43

Lieber Manfred, sehe ich ganz ähnlich! Vieles, was da heute abgeht, erinnert genau an diese Zeiten! Die Leute drehen sich ja heute auch schon wieder um, wer hinter ihnen steht. Viele, die sich zu den heutigen Ereignissen und Maasnahmen äußern wollen, trauen es sich schon wieder nicht mehr, aus Angst vor massiven Einschränkungen; Vereins und KIrchenausschluß, Verlust von Arbeitsplätzen, Zestörung von Existenzen, Schmiererei- und Brandanschlägen,...!
Ber soetwas funktioniert, wie damals, immer nur eine gewisse Zeit. Die Leute, oft dieselben wie damals, gehen au wieder auf die Straßen! "Ochs und Esel" wehren sich und halten, zusammen mit endlich wieder wählbaren Alternativen und Gottes Hilfe, letztenlich auch diesen "Sozialismus" auf!
Gott segne unser Vaterland!

Marcel Schneider schreibt:
14. Februar 2018, 7:40

Es tut mir sehr leid für Sie, dass Sie das Trauma der DDR-Zeit noch nicht therapeutisch oder seelsorgerisch aufgearbeitet haben.
Was aber nicht geht: die Erlebnisse von damals in völliger Geschichtsvergessenheit und geistiger Umnachtung auf heute zu projizieren. Das zeigt, dass Sie innerseelisch nie in der Demokratie angekommen sind und erhebliche Bildungsdefizite aufweisen.
Eine Lehrstunde der Demokratie waren für mich persönlich die 2 Jahre, die ich in der Stasi-Unterlagenbehörde arbeiten durfte. Nach dem Lesen mancher Akten konnte ich tagelang nicht schlafen.
Ich widerspreche jedem ganz scharf, der die politischen Zustände der DDR-Zeit mit denen heute vergleicht. Das ist menschlich zutiefst unreif.

Britta schreibt:
16. Februar 2018, 22:49

Herr Schneider, nach Ihrem oftmals recht naiven Argumentationsmodus schätze ich Ihr Alter auf höchstens 30-40 Jahre, d.h., Sie haben die DDR-Zeit mit dem real existierenden Sozialismus allenfalls als Kind erlebt. Daher können Sie gar nicht wissen, wie das Lebensgefühl in der späten DDR wirklich war. Das bekommt man auch mit dem Sichten der Stasiunterlagen nicht mit, sagte doch schon unser Nationaldichter: "EIN Blick ins Buch und ZWEI ins Leben, das wird die rechte Form dem Geiste geben."
Also hören Sie endlich auf zu projizieren und anderen völlige Geschichtsvergessenheit, geistige Umnachtung (Sie wollen Christ sein?), Unreife bzw. erhebliche Bildungsdefizite vorzuwerfen.

Manfred schreibt:
19. Februar 2018, 12:38

Beobachter, sie treffen auch meine Gefühle! Auch heute sollten die Menschen nicht mehr sagen, dass sie eine "neue" Partei wählen würden. Es scheint schon wieder in die Richtung zu gehen - die AfD ist der Staatsfeind, die Grenzen müssen total offen gehalten werden und die Berliner Politiker haben immer Recht. Ich glaube, dass sich zwei starke und unversöhnlich Strömungen entwickeln werden. Eine, welche alles für die fremden Menschen tun will und eine, welche an das deutsche Volk und an unsere Heimat denken. Es darf auch einmal darüber nachgedacht werden, wo es auf dieser Welt in einem Land eine Demokratie gibt und gleichzeitig der Islam die Staatsreligion ist. IcH kenne kein einziges Land.

L. Schuster schreibt:
11. Februar 2018, 12:41

Wie naiv, wie falsch ist der politisch Leiter Jahn: „Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hätte sich zu DDR-Zeiten mehr Proteste gegen die Berliner Mauer innerhalb der DDR gewünscht.“ - wo doch jeder wusste die Mauer war letztlich ein Befehl der Sowjetunion.

Schon der Ansatz von Kritik an der Sowjetunion wurde bis Gorbatschow mit sehr vielen Jahren Haft oder Psychiatrie bestraft und oft auch noch bis 1988, das er die Grenzen öffnen lässt wusste ja keiner.
Es war fast wie Selbstmord betreff Sowjetunion aufzufallen, ihr nicht nur anordnender KGB verstand dann hier ebenfalls keinerlei Spaß. Wie tickt denn da dieser Bundesbeauftragte wenn er sich unseren Protest am „Eisernen Vorhang“ gewünscht hätte?
Vielleich verwechselt er es, wenn man gegen innerpolitisch etwas sagte, z. B. am Stammtisch etwas gegen DDR oder SED sagte. Selbst wenn der Parteisekretär und Stasi mit dran saßen war es meist nicht gefährlich oder wenn schon - das Studium gestrichen (Exmatrikulation) oder maximal 18 Monate Haft.

Das wusste mein mich begeisternder Pfarrer und der nicht so Weltfremd wie Roland Jahn war. Das Republikfluchtgedankten (von dem Ausreise -Abkommen), Kritik an Mauer und Sowjetunion die Strafen hier wie ein Selbstmord ist, das wusste er und wir alle in der Jungen Gemeinde hier. "Gott", "Gott ist die Liebe", "Christus", "Lebt hier und heute“ war unsere Themen und nicht der Suizid.

Roland Jahn war mit seine Kritik nicht nur gegen die SED, sondern wie ein Selbstmörder gegen die Sowjetunion (wo er u.a. öffentlich Stalin mit Hitler verglich) und das er dafür nicht für immer ins Gefängnis oder Psychiatrie musste, sondern nach Westberlin abgeschoben wurde, verdankt er nicht nur der Wende seit 1982 in Moskau. Er hatte nur Glück oder hatte aus seinen Umfeld jemand mit guten Kontakt zur Stasi und KGB.
Daher Roland Jahn was soll dieser Quatsch (zu wenig protestiert), wo sie Gorbatschow vielleicht ihr Leben verdanken, allen andere hätten bestimmt nicht ein solches Glück.

Es war die Zeit kurz nach dem Mauer-Bau, wo ein Bauer hier im Erzgebirge beharrlich gegen eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft (LPG) war. Erst als er erzählte, er sei gegen „Leninschen Genossenschaftsplan“ der doch Hunger brachte und er wolle sich daher an Moskau wenden, fand man angeblich eine Pistole in seiner Scheune. Bautzen und Psychiatrie waren die Folge.

Beobachter schreibt:
11. Februar 2018, 15:42

Danke Herr Schuster, daß Sie ein wenig Realität in die Debatte bringen!
NIcht jeder hatte so viel "Glück"! Wenn man wirklich von Anfang an zu "Oppisition" neigte, hatte man kaum das "Glück" Abitur zu machen oder gar zu studieren. Die meisten wurde auch nicht so problemlos und schnell "abgeschoben"!

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