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Bayerns Kreuze gegen den Trend

Von Helmut Frank
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Mit ihrem Kreuz-Beschluss hat die bayerische Staatsregierung eine sehr emotionale Debatte ausgelöst. Ministerpräsident Markus Söder bekommt dafür von allen Seiten Gegenwind. Der Vorwurf: Hier werde mit dem Kreuz Wahlkampf gemacht. Die Neutralitätspflicht des Staates werde missachtet, das Kreuz verkomme zur Wand-Deko. Von nicht wenigen Politikern wurden die Kirchen aufgefordert, sich gegen den Beschluss zu stellen, nach dem Motto: »Lassen Sie es nicht zu, dass Ihr Symbol für parteitaktische Zwecke missbraucht und zum Wandschmuck degradiert wird!«

Keine Frage: Es ist nicht die Aufgabe des Staates, das Geschäft der Kirchen zu übernehmen. Aber wenn man sich die Statements anschaut, fällt auf: Viele eher säkulare Politiker sprechen nun von der tiefreligiösen Bedeutung des Kreuzes als Symbol für die Erlösung des Menschen durch den Tod Christi. Da werden zum Teil flammende christliche Bekenntnisse formuliert – um zu begründen, warum die Kreuze nicht in Behörden hängen sollen. Und viele Kirchenleitende betonen – als wären sie die obersten Verfassungshüter – peinlichst genau die Abgrenzung von Staat und Kirche – und sind deshalb gegen das Aufhängen der Kreuze. Je schwächer die christlichen Kirchen werden, desto größer wird der Widerstand gegen christliche Symbole. Insofern ist der Kabinettsbeschluss erst einmal eine wohltuende Abwechslung zum allgemeinen Trend der pseudo-neutralen Religionskritik.

Die Mehrheit der Deutschen will offenbar keine Kreuz-Pflicht für Behörden. Populismus oder die In­strumentalisierung des Kreuzes für den Wahlkampf sollte man Söder deshalb nicht mehr unterstellen, wenn er weiter an dem Beschluss festhält.

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3 Lesermeinungen zu Bayerns Kreuze gegen den Trend
Johannes schreibt:
16. Mai 2018, 15:27

Verehrter Herr Frank,

die Logik Ihres letzten Satzes verstehe ich nicht. Wollen Sie sagen: Weil Söder weiß, dass die Mehrheit der Deutschen keine Kreuzpflicht in den Behörden will, und die Kreuze trotzdem aufhängt, ist es der Beweis, dass er das Kreuz für den Wahlkampf in Bayern nicht instrumentalisiert? (Wenn dieses Argument schlüssig sein sollte, müsste ja zumindest die Mehrheit der Deutschen in Bayern wohnen. Das war mit bisher unbekannt...)

Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
17. Mai 2018, 13:02

Lieber Herr Frank, danke für IhrenKommentar, der sich wohltuend von der allgemeinen Hetze gegen das Kreuz abhebt! Ja, jetzt werden viele Politiker, die sonst eher antibiblische und antichroistliche Äußerungen machen und Beschlüsse durchpeitschen mit einenemmal (schein)heilig! Und vielen "Kirchenleitende", die gegen das Aufhängen von Kreuzen polemisieren, zegen uns doch nur wieder, daß der Antichrist oftmals aus der Sakristei gekrochen kommt!

Gert Flessing schreibt:
17. Mai 2018, 17:41

Es ist gut, wenn das Kreuz wieder ins Gespräch kommt.
Es ist verwunderlich, wenn Politiker, die es sonst nicht so mit der Kirche haben, nun plötzlich, in zwei gekreuzten Balken, ein "tiefreligiöses Symbol" sehen.
Aber ich denke, die Kirche hat es nicht nötig, sich von dieser oder von jener Seite instrumentalisieren zu lassen.
Behörden werden nicht besser, wenn ein Kreuz in ihnen hängt. sie werden aber dadurch auch nicht schlechter.
Ich bin schon der Meinung, das unsere europäische und auch unsere deutsche Kultur, ja der Grundgedanke unserer Zivilisation, nicht ohne das Kreuz zu verstehen ist.
Vielleicht denkt auch dieser oder jener Beamte, der, auf seinem Weg zur Arbeit, an dem Kreuz nun vorbei muss oder es in seiner Amtsstube hat, das diese beiden Balken etwas mit Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe zu tun haben.
Dann hätte dieser Beschluss der Baiern eine positive Wirkung.
Gert Flessing

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