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Lasst uns über Taufe reden

Tomas Gärtner
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Ängste trieben bei der Taufe einst zur Eile. Angst, das Kind könne wenige Tage nach der Geburt sterben. Angst, es falle dann der ewigen Verdammnis anheim. Diese Höllenangst gehört zum Glück der Vergangenheit an. Eltern können heute frei entscheiden, ob sie ihren Sprössling als Säugling zum Taufbecken tragen oder ob sie ihn auf eigenen Füßen da hin gehen lassen, womöglich erst als Jugendlichen.

Kaum ein Umstand zeigt das Ende der Volkskirche deutlicher an als das Ende der Tradition um ihrer selbst willen. Seinen Säugling taufen zu lassen, weil Eltern und Großeltern es ebenso taten – auch das ist heutzutage eine Entscheidung. Dass nichts sich mehr von selbst versteht, mögen manche beklagen. Sicher, es ist anstrengend.

Der springende Punkt bei der Kleinkindtaufe ist aber: Eltern müssen eine Entscheidung für ihre Kinder treffen. Manche haben Bedenken, die Kleinen zu bevormunden. Wer dagegenhält, nicht taufen zu lassen sei ja auch Bevormundung – der macht es sich zu einfach. Besser ist, die Taufe konsequenter als Symbol zu verstehen. Wofür sie steht, darauf kommt es an. Der äußerliche Akt an sich darf und soll in Frage gestellt werden – wenn dies ein Gespräch eröffnet, das zum Verständnis seines Sinns führt. Christliche Kindergärten können dafür ein Ort sein und der »Taufsonntag« bietet eine Chance. Großeltern sind als Vermittler ebenso wenig zu unterschätzen.

Niemand sollte Eltern in Sachen Taufe bedrängen. Aber ihnen zumindest erklären, worum es da geht und sei es über ihre Kinder. Das Angebot, etwas dazuzulernen, ist nie verkehrt. Auch wenn am Ende nicht alle getauft werden, der Allgemeinbildung schadet es nicht. Was ist besser: ungetauft, aber kundig – oder getauft, aber unkundig?

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1 Lesermeinungen zu Lasst uns über Taufe reden
Gert Flessing schreibt:
09. April 2018, 10:52

Die Taufe -sie ist das grundlegende Sakrament der Kirche. Es ist die Taufe, durch die wir, durch Gott, in dessen Auftrag Kirche handelt, mit ihm verbunden werden.
Gewsiss war es früher selbstverständlicher, das ein Kind getauft wird.
Gewiss finden manche Eltern, sie würden ihr Kind "bevormunden".
Was mich nicht wundert, da wir in einer Zeit leben, in der manche Eltern Kinder von Anfang an alles selbst entscheiden lassen - mit dem "Erfolg", das manche schon fast Schulkinder sind und immer noch Windelhöschen tragen.
Taufe ist aber das Angebot Gottes, einem Menschen, noch bevor er etwas entscheiden muss, seine Gnade und seine Liebe zu schenken.
Vor vielen Jahren hatte ich einen Erwachsenenkonfirmanden, der meinte, er wäre dankbar für die Taufe, die er als Kind - gegen den Willen seines Vaters - erhalten hat. "Da hat mir Gott, obwohl ich noch nichts tun oder sagen konnte, seine helfende Hand entgegen gestreckt." sagte er. Das hat mich sehr beeindruckt. Gottes ausgestreckte und segnende Hand - das ist die Taufe.
Daraus erhält auch die Konfirmation ihren Wert und ihre Würde, denn er fügte damals hinzu: "Jetzt, wenn Sie mich konfirmieren, schlage ich in diese ausgestreckte Hand Gottes ein."
Gerade wir Lutheraner sprechen so oft von der Gnade, die wir, ohne des Gesetzes Werke, geschenkt bekommen. Was macht das stärker deutlich, als das Sakrament der Taufe?
Gert Flessing

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