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Dienst nach Vorschrift genügt nicht für Gott

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. Matthäus 20, Vers 28
Dorothee Markert
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Dorothee Markert ist Pfarrerin in Sohland am Rotstein. © privat

Ein Streit unter den Jüngern geht dieser Aussage Jesu voraus. An der Herrschaft Christi wollen sie teilhaben. Und dann das: Dienen!

Mir gehen Bilder von Dienern durch den Kopf. In der britischen Fernsehserie »Downton Abbey« zum Beispiel. Die Dienenden gehören dazu. Sie sind mehr als Handlanger. Sie sind in ein Vertrauensverhältnis eingebunden. Freilich, ihr Status ist klar definiert, aber sie werden in das Leben ihrer Herrschaft hineingenommen. Ihr Rat ist gefragt. Ihre Erfahrungen. Jesus Christus dient Gott und den Menschen. Er vertraut Gott. Und er nimmt Menschen in das Vertrauensverhältnis mit hinein. Jesus macht es uns vor, wie Dienen aussieht. Es ist mehr als ein Handgriff. Zum heilenden Berühren kommen Worte. Die Menschen, die von Jesus etwas erbitten, werden ernst genommen – und damit angenommen. So wird neues Leben möglich. Auch für Jesus Christus selbst, weil er Gott ganz vertraut und immer im Gespräch mit ihm ist. Er hat sich Gott untergeordnet – und kann es somit auch bei den Menschen tun. Bis hin zum Sterben am Kreuz.

Das lässt mich meinen/unseren »Dienst« neu sehen. Ein »Dienst nach Vorschrift« greift da zu kurz. Es ist eben mehr, was mit »dienen« gemeint ist! Es sind die ermutigenden Worte beim Essen-Reichen. Das Streicheln über die faltige Wange der Bewohnerin beim Anziehen. Ich bin immer wieder tief berührt von den Menschen, die in den pflegenden Berufen arbeiten. Liebevoll. Dienend. Sie wissen Bescheid über diejenigen, die ihnen anvertraut sind. Die Worte Jesu Christi und die Pflegenden lassen mich »Dienen« neu buchstabieren.

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2 Lesermeinungen zu Dienst nach Vorschrift genügt nicht für Gott
Gert Flessing schreibt:
14. März 2018, 21:14

Ja, auch ich habe eine große Achtung vor Menschen in Pflegeberufen. Zumal ihnen der Dienst eben durch die Vorschriften, nicht leicht gemacht wird.
Aber mir geht noch ein anderer Gedanke durch den Kopf. Gerade im Raum der Kirche müssen wir aufpassen, das der Dienst den Dienenden nicht verschlingt.
Vor sehr vielen Jahren sagte mal ein Kollege zu mir: "Sie müssen sich im dienst verbrennen, lieber Bruder."
Gerade das eben nicht! Für den Dienst entflammt sein. Ja. Immer.
Ihn gern tun. Aber das bedeutet nicht, das man bei Rot über die Kreuzung rast, nur, weil man meint, es eilig zu haben.
Zu oft höre ich, von wesentlich jüngeren Pfarrern, das sie unter burn out leiden.
Etwas mehr "Dienst nach Vorschrift" oder auch mal ein wenig Faulheit würde ihnen nicht schaden und dem Dienst auch nicht.
Gert Flessing

Matthias Schollmeyer schreibt:
16. März 2018, 10:18

Jakobus und Johannes, beide Brüder,
der Fischer Zebedaios zeugte sie –
die knieten vor dem Meister hin und wieder

und baten Dinge, etwa so wie die:
„Rabbuni – merke auf, was wir dir sagen,
gib uns in Zukunft deine Garantie.“

Er sprach zu ihnen: „Wollt nur tapfer fragen!
Was soll ich tun, ihr Freunde, bitte sehr?“
Sie sprachen keck: „Gib, dass in jenen Tagen,

wenn Herrlichkeiten einst um alle her,
Jakobus rechts und ich, Johann, zur Linken
zwei Stühle für uns finden. Das gewähr!“

Der Meister Jesus lässt den Mut nicht sinken,
und sprach zu ihnen: „Hört zwei Fragen jetzt.
Könnt jenen bittern Kelch ihr beide trinken?

Die Taufe überstehen ganz zuletzt?“
Sie lachten laut und mutig: „Ja, wir können!“
Drauf Jesus sprach: „Wenn euch die Taufe netzt,

dann will ich euch zwei Silberkelche gönnen,
zur Stärkung, wenn die Scheiterhaufen brennen.

Jedoch den Platz zur Linken und zur Rechten,
ein anderer verleiht sie und nicht ich.
Von meinen Nachbarplätzen aus zu fechten,

wer das bestimmt, ihr ahnt es sicherlich?“
Als dies die Jünger hörten, ward mit Streiten
das Brüderpaar getadelt fürchterlich.

Doch Jesus dämpft die groben Höflichkeiten:
„Ihr wisst, die Herrscher richten mit Gewalt.
Euch aber lenken andere Gezeiten:

Wer groß sein will, sei ohne Hinterhalt.
Die Besten wollt ihr sein? Als Diener allen!
Des Menschen Sohn kam her in Knechtsgestalt,

bedient zu werden hat ihm nicht gefallen.
Im Gegenteil – sein Leben setzt er ein,
bewahrte viele vor des Satans Krallen!“

Und da sie traten aus der Bäume Hain,
erschallte eines Bettlers Ruf und Flehen,
der schrie um beider Augen neuen Schein:

„Sohn Davids, wollest nicht vorüber gehen!“
Und Jesus heilt ihn. Er kann wieder sehen.

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