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Synode teilt schwesterlich

Strukturreform: Die Landessynode stimmt für selbständige Gemeinden in Schwesterkirchverhältnissen und Kirchspielen – und nebenbei für mehr Mitbestimmung.
Andreas Roth
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Singen hilft, wenn sich Struktur-Debatten verknoten: Bei der Landessynode in Dresden stimmt die Kantorin und Synodale Ina-Maria Vetter ein Lied an. © Foto: Steffen Giersch

Ein ungläubiges Raunen geht durch die Synode, dann ist alles vorbei: Monate des Protestes, der Eingaben und des Suchens. Und jetzt: keine einzige Gegenstimme. Es ist Samstagabend 20.54 Uhr und die Synodalen staunen über sich selbst. Der Konflikt um die Strukturreform scheint sich in Luft aufgelöst zu haben.

Was natürlich nicht stimmt. Die Wahrheit ist: Er scheint gelöst worden zu sein. Auf eine ganz einfache Weise. Indem die Betroffenen angehört und ernst genommen wurden. »Wir sollten das aufnehmen, was wir in den verschiedenen Diskussionen mit Gemeindegliedern und Eingaben gehört haben«, warb Jochen Kinder, Pfarrer in Borna bei Oschatz, vor der Synode. »Und wir brauchen Regelungen, die pragmatisch umsetzbar sind in einer überschaubaren Zeit.«

Sein Vorschlag: nicht etwas völlig Neues zu erfinden, sondern die bestehenden Modelle Schwesterkirchverhältnis und Kirchspiele nach den Wünschen der Basis zu verbessern. Und die Synode stimmte dem zu.

»Den Kirchgemeinden ist in den künftigen Arbeitsstrukturen die Selbständigkeit zu erhalten« mit eigenem Kirchenvorstand, Finanz- und Personalhoheit, heißt es in dem Beschluss. Schwesterkirchverhältnisse wären dafür ein Weg – doch in der Praxis haben sie sich oft als schwierig erwiesen und das Kirchenleitungsmodell »Kirche mit Hoffnung« wollte sie deshalb abschaffen. Denn oft gibt es zwischen den beteiligten Gemeinden Konflikte um das gemeinsame Personal. Dem sollen künftig neue Entscheidungsstrukturen und Ausschüsse abhelfen, so der Synodenbeschluss.

Selbst Kirchspiele könnten Gemeinden künftig mehr Autonomie bieten, schlug Jochen Kinder vor. Auch die Anstellung von Gemeindepädagogen oder Kantoren beim Kirchenbezirk sei möglich. Der Beschluss will ausdrücklich »Nähe und Flexibilität« für Städte wie Land. Ziel sind »auskömmliche Beschäftigungsverhältnisse in förderlichen Arbeitsstrukturen« für die Mitarbeiter. Wie groß diese Verbünde sein sollen, bleibt offen. Und auch der Zeithorizont. Zwar seien bis zum Jahr 2040 bestandsfähige Arbeitsstrukturen »anzustreben«, heißt es in dem Synodenbeschluss, die aber »gegebenenfalls in mehreren Schritten umgesetzt werden können«. Kein Zwang also mehr zur Schaffung großer Regionen mit bis zu 8000 Gemeindegliedern bis 2025, wie sie die Kirchenleitung wollte.

Das heißt aber auch: Die Strukturdebatte wird bei zurückgehenden Mitgliedern und Finanzen auch in Zukunft noch lange und mühsam weitergehen. Das Landeskirchenamt muss jetzt aus all dem konkrete Gesetzesvorschläge machen. Die Synode will dann im Frühjahr 2018 über sie abstimmen. »Mit einem größeren Schwesterkirchverhältnis im Sinne einer Pfarrei könnte man gut leben«, sagte durchaus zufrieden der Auerswalder Kirchvorsteher Friedhelm Zühlke, der Organisator der Proteste gegen die Reformpläne der Kirchenleitung. »Entscheidend ist die rechtliche Selbständigkeit der Gemeinden, ihre Personalhoheit und ihr Haushaltsrecht. Und dass man ihnen das später nicht wieder wegnehmen kann.« Auch der Bautzener Superintendent Werner Waltsgott stimmte zu. »Mit diesem Ergebnis kann ich gut und gerne in unsere Kirchgemeinden gehen, weil das Allermeiste der Kritik aufgenommen wurde.«

Selbst Mitglieder der Kirchenleitung sahen den Untergang ihres eigenen Reformmodells nicht nur als Verlust – sondern auch als Lernerfahrung: künftig bei großen Fragen lieber eher die Basis anzuhören. Denn die will mitreden. Das hat die Synode eigens mit einem Beschluss bekräftigt. »Das ist das eigentlich Reformatorische in diesem Reformationsjahr«, sagt der Großenhainer Synodale Steffen Göpfert. Es wird die Landeskirche verändern.

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