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Wahlkampf in Kirche

Von Mandy Weigel
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© Uwe Naumann

Die Leipziger sind bekannt dafür, dass sie weltoffen und tolerant sind, Neuem aufgeschlossen begegnen. So passt auch der Neubau der Paulinerkirche am Augustusplatz wunderbar in diese Stadt, der – anders als die Dresdner Frauen­kirche – nicht alles originalgetreu abbildet, sondern die historischen Kirchenpläne mit heutigen Maßstäben und Nutzungswünschen der Universität kombiniert. Auch wenn die Urteile über die Gestaltung weit auseinander gehen und das Gebäude nicht jedem gefällt – die Wiedererrichtung schließt eine historische Wunde und ist ein deutliches Zeichen gegen diktatorische Willkür und politischen Irrsinn der DDR-Machthaber, die für die Sprengung verantwortlich sind.

Doch wie soll man den Umstand bewerten, dass zur ersten offiziellen Festlichkeit keine Vertreter der Stadt und kein Oberbürgermeister anwesend waren? Eine Bauabschlussfeier ist fast so etwas wie eine kleine Wiedereröffnung. Der Grund: Der Freistaat als Bauträger sorgte dafür, dass der Festtermin auf einen Tag gelegt wird, an dem der Leipziger Stadtrat tagte. Alle Personen, die die Geschicke im Leipziger Rathaus lenken, waren somit verhindert. Leipzig als SPD-Stadt mit SPD-Oberbürgermeister ist der CDU-Regierung seit jeher ein Dorn im Auge. Und jetzt ist Wahlkampfzeit. Ganz sicher wollte die CDU-Regierung mit dem Auftritt von drei CDU-Vertretern die Lorbeeren allein ernten und sich im Scheinwerferlicht sonnen. Die Lei­stungen verdienen Anerkennung – doch das Verhalten gegenüber den Leipzigern ist ein Eklat.

Vermutlich nehmen es die Leipziger, wie es ihre Art ist, sportlich. Doch die Machtspiele zwischen den Parteien schaden dem eigentlichen Anlass: Freude und Dankbarkeit über den Neubau der Unikirche.

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